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Die Fürsten von Liechtenstein

Fürst Franz Josef II.
51 Jahre war Fürst Franz Josef II. Landesvater mit kluger Zurückhaltung und diplomatischem Geschick. In seiner langen Amtszeit als Staatsoberhaupt machte er nur einmal Gebrauch von seinem Vetorecht (Jagdgesetz 1962). In seine Regierungszeit fällt der markante wirtschaftliche Aufschwung Liechtensteins. Fürst Franz Josef II.Regierungszeit 1938 - 1989
 
geboren am 16. August 1906 in Frauenthal (Steiermark)
gest. am 13. November 1989 in Grabs
vermählt am 7. März 1943 in Vaduz mit Georgine (Gina) Gräfin von Wilczek, Tochter des Ferdinand Graf v. Wilczek und der Nora Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau (geboren am 24. Oktober 1921 in Graz, gest. 18. Oktober 1989)
 
Fürst Franz Josef II., ältester Sohn des Prinzen Alois von Liechtenstein (geb. 17. Juni 1869, gest. 16. März 1955) und Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit Erzherzogin Elisabeth von Österreich (geb. 7. Juli 1878, gest. 13. März 1960), folgt nach dem kinderlosen Fürsten Franz I. als Landesfürst.

Mit Handschreiben von 15. März 1923 (Landes-Gesetzblatt Jahrgang 1923 Nr. 12) teilt Fürst Johann II. der Regierung mit, dass seine beiden Neffen Prinz Franz (Onkel des Fürsten Franz Josef II.) und Prinz Alois (Vater des Fürsten Franz Josef II.) auf die Anwartschaft auf die Regierung verzichtet hätten; und nach dem Thronfolger Prinz Franz, seinem Bruder (dem späteren Fürsten Franz I.) sei der nächste Anwärter auf die Regierung sein Grossneffe Prinz Franz Josef.
Am 30. März 1938 betraut Fürst Franz I. den Thronfolger als seinen Stellvertreter mit der Ausübung der dem Fürsten zustehenden Hoheitsrechte.
Regierungsantritt: 25. Juli 1938
Huldigung des Volkes: 28. Mai 1939

 
"Zum ehrenvollen Gedenken an Fürst Franz Josef II. und aus Anlass seines hundertsten Geburtstages" wurde am 24. August 2007 in Vaduz vor dem Rathaus diese Bronzebüste enthüllt, die der niederländische-monegassische Bildhauer Kees Verkade im Auftrag des Vaduzer Gemeinderates schuf.

Durch die über 50-jährige Regierungszeit wurde Fürst Franz Josef II. zum Landesvater. In seinem Wirken war er ein Garant für den inneren Frieden und die staatliche Souveränität.




Die Huldigungsfeier vom 29. Mai 1939 auf Schloss Vaduz Fürst und Volk schworen, sich gegenseitig die Treue zu halten und die Verfassung zu beobachten
Fürst Franz I. starb am 25. Juli 1938 auf Schloss Feldsberg. Sein Nachfolger Franz Josef II. war im Land kein Unbekannter. Der Übergang vollzog sich gleichsam nahtlos. Schon einen Tag nach der Amtsübernahme gelobte der damalige Landtagspräsident Pfarrer Anton Frommelt im Namen des liechtensteinischen Volkes: «... Wir geloben in dieser Stunde treue Anhänglichkeit und unverbrüchliche Treue und ernste Mitarbeit, soweit sie von jedem gefordert wird...», ein Gelöbnis, das am 29. Mai 1939 auf dem Platz vor dem Schloss Vaduz in einer eindrücklichen Huldigungsfeier vom Volke bestätigt wurde. Der junge Fürst versprach, als erster Bürger Liechtensteins das Land im Geiste seiner Vorfahren zum Wohle und Gedeihen zu verwalten.
 
1.-Mai-Feier der Nationalsozialisten in Feldkirch 1939. 
1938 Hitler verkündete am 13. März den ?Anschluss? Österreichs an das Deutsche Reich. Damit war Hitler-Deutschland unmittelbarer Nachbar Liechtensteins. Die Bedrohung für unser Land sollte bald spürbar werden. Die Nationalsozialisten haben den 1. Mai zu einem ?Nationalen Feiertag des deutschen Volkes? umgemünzt, der bis ins kleinste Dorf hinein gross inszeniert wurde. Bedrohung von aussen – Krise im Inneren
Fürst Franz Josef II. hatte kein leichtes Erbe übernommen. Noch wirkte die Weltwirtschaftskrise der dreissiger Jahre nach und manche Familien hatten mit existenziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. In der Weltpolitik zeichneten sich Veränderungen ab, die auch Liechtenstein in ihren Sog zu ziehen drohten. Mitte März 1938 hatte das Grossdeutsche Reich Adolf Hitlers Österreich annektiert; unser Land hatte einen neuen, gefährlichen Nachbarn bekommen. Nationalsozialistisches Gedankengut machte auch vor unseren Grenzen nicht halt  und innenpolitisch stritten sich die Parteien um eine gerechtere Wahlordnung und um die Mitbeteiligung der Opposition an der Regierung.
 
Fürst Franz Josef II. mit seinen Kindern im Garten des Schlosses 1952. Die Kinder v.l.n.r.: Erbprinz Hans Adam, Prinz Philipp, Prinzessin Nora, Prinz Nikolaus (mit dem Rücken zur Kamera). Schloss Vaduz als Residenz des Fürsten
Der inneren Befriedung und dem Schulterschluss gegen fremde Einflüsse und Bedrohungen kam entgegen, dass Fürst Franz Josef II. als erster Regent des Hauses Liechtenstein seinen ständigen Wohnsitz von Wien auf das Schloss Vaduz verlegte. Nach über 200 Jahren war das Schloss nun wieder Residenz des Landesherrn.
 
Fürst Franz Josef II. mit Regierungschef Dr. Josef Hoop bei einem Spaziergang im äusseren Schlosshof 1942. Der Fürst als ausgleichende Kraft in der Politik
Diese räumliche Nähe, die nun zum ersten Mal Fürst und Volk verband, wirkte sich in den gefahrvollen Zeiten auch politisch günstig aus. Der Fürst war nicht mehr eine ferne Symbolfigur, sondern gleichsam greifbar geworden. Trotz kluger Zurückhaltung konnte er nun direkt als ausgleichende Kraft in die Landespolitik eingreifen und nicht zuletzt jenem Wirken ist es zuzuschreiben, dass unser Land die Einheit fand, um die inneren Krisen unbeschadet zu überstehen.
 
Fürst Franz Josef II anlässlich der Feierlichkeiten seines 50. Geburtstags zusammen mit seiner Frau Gina. Garant für inneren Frieden
Der Fürst verstand es, in Zusammenarbeit mit dem Parlament und der Regierung den Gefahren von aussen und von innen standzuhalten. Er wurde als Vaterfigur Garant für den inneren Frieden wie auch für den Weiterbestand Liechtensteins als souveräner Staat. Der von Johann Baptist Büchel für den Fürsten Johannes II. etwas pathetisch formulierte Satz: «Wenn andre ihrer Macht vertrauen, wir stolz auf unsren Fürsten schauen», wurde in gefahrvoller Zeit zum Ausdruck der Tatsache, dass die Bürger und Bürgerinnen des Landes im Fürsten die Verkörperung ihres Staatswillens erkannten.
 
Die Fürstenfamilie anlässlich des 70. Geburtstag des Fürsten Franz Josef II. Hinter dem Fürstenpaar Prinz Philipp und dessen Gattin Prinzessin Isabelle, Prinz Nikolaus sowie Prinzessin Nora. Vom Agrarstaat zum modernen Industriestaat
Als nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die äusseren Gefahren gebannt waren, war es wiederum Fürst Franz Josef II., der die Möglichkeit erkannte, Liechtenstein vom Agrarstaat zu einem  modernen Industriestaat hinzuführen. Staatsbesuche des Fürstenpaares im Ausland verschafften international die Anerkennung, die für den wirtschaftlichen Aufschwung nötig war. Fürst Franz Josef II. war sich bewusst, dass diese rasante Entwicklung des Staats einerseits der Schaffenskraft der Bevölkerung und andererseits den bilateralen Beziehungen zu den Nachbarstaaten zu verdanken war.
 
 
«... Wir im Lande gedenken im heurigen Jahre, dass vor 50 Jahren der Zoll und Wirtschaftsvertrag mit der Schweiz abgeschlossen wurde. Dieser Vertrag hat so entscheidend in das Leben und die Entwicklung unseres Landes und Volkes eingegriffen, dass wir uns mit Recht dieses Datums erinnern. Vom Zeitpunkt des Vertragsabschlusses an hat sich eine stetige Aufwärtsentwicklung Liechtensteins trotz Krisen, wie der Weltwirtschaftskrise, ergeben. Dass wir jetzt in Europa das prozentuell höchstindustrialisierte Land sind, verdankt man im gleichen Masse der Tüchtigkeit der Liechtensteiner wie dem Wirtschafts- und Zollvertrag mit der Schweiz. Wenn wir von wirtschaftlicher Entwicklung sprechen, vergessen wir nicht darauf, dass diese eine Voraussetzung bildet, dass sich ungestört das geistige und kulturelle Leben eines Volkes entwickeln kann. Der Vertrag stellte in den Augen der Schweizer stets keine formale Angelegenheit dar, sondern wurde von ihnen mit dem Geiste echter Freundschaft erfüllt. Wenn wir daher von diesem Jubiläum sprechen, so bedeutet dies, dass wir Gefühlen unserer Dankbarkeit gegenüber der Schweiz, ihrem Volke und ihren Behörden Ausdruck geben wollen...»
Fürst Franz Josef II. in seiner Thronrede vom 28. Februar 1973

Weitere Infos..
Thronreden des Fürsten
 
Staatsbesuche sind ein wichtiges Instrument der Aussenpolitik mit einem enormen Wert für die wirtschaftlichen Beziehungen und die Entwicklung des Landes. Fürst Franz Josef II. empfängt auf Schloss Vaduz den österreichischen Aussenminister Bruno Kreisky. Staatsbesuche im Ausland schaffen Anerkennung
51 Jahre lang wirkte Fürst Franz Josef II. als Staatsoberhaupt und als erster Bürger des Landes. Als nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die äusseren Gefahren gebannt waren, erkannte Fürst Franz Josef II. die Möglichkeit, Liechtenstein vom Agrar- zum Industriestaat zu führen. Staatsbesuche des Fürstenpaares im Ausland verschafften international die Anerkennung, die für den wirtschaftlichen Aufschwung nötig war.
 
Fürst Franz Josef II. und Fürstin Gina von Liechtenstein waren als Landesvater und Landesmutter sehr beliebt. Verbundenheit von Fürst und Volk
Geburtstagsfeste und Feiern zu Regierungsjubiläen zeigten und vertieften immer wieder die Verbundenheit zwischen Fürst und Volk. Trotz vornehmer Zurückhaltung war Fürst Franz Josef II. ein Fürst zum Anfassen, ein Monarch, der sein Volk verstand und der von seinem Volk verstanden wurde, ein Umstand, zu dem Fürstin Gina als Landesmutter nicht wenig beitrug
.
 


Gina von Liechtenstein

Fürstin Gina war die einzige Tochter des Grafen Ferdinand von Wilczek und der Gräfin Nora, geb. Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau. Die junge Fürstin eroberte mit ihrem Charme und ihrer herzlichen Spontaneität die Sympathien der Bewohner des Landes. So scheute sie sich nicht, selbst Hand anzulegen und dort mitzuhelfen, wo es nötig war. Ihre Initiative führte 1945 zur Gründung des Liechtensteinischen Roten Kreuzes, wofür das Elend tausender Flüchtlinge in den letzten Kriegstagen an der Grenze in Schaanwald ausschlaggebend war. Auf Wunsch ihres Gatten übernahm Fürstin Gina die Präsidentschaft des Liechtensteinischen Roten Kreuzes.

Mit viel Engagement und Energie setzte sich Fürstin Gina für soziale Anliegen und Aufgaben im Lande ein, sie gründete eine Bildungsstätte für geistig behinderte Kinder wie auch weitere Institutionen sozialen Charakters. Nicht nur deswegen wurde sie beim Volk populär und Landesmutter genannt, sondern auch wegen ihrer herzlichen, unkomplizierten Art im Umgang mit den Landsleuten. An der Seite ihres Gatten gab sie ein Beispiel für die wertvolle Mitarbeit der Frau in der Gesellschaft. Durch ihre Volksnähe hat sie gemeinsam mit Fürst Franz Josef II. entscheidend dazu beigetragen, dass in unserem Land zwischen Volk und Fürstenhaus ein respektvolles Miteinander entstehen konnte.

Hochzeit Gina und Früst Franz josef II. Fürstin Gina

links: Hochzeit von Fürst Franz Josef II. und Gräfin Gina am 7. März 1943 in Vaduz. Die Vermählung wurde wie ein Volksfest gefeiert, die junge Fürstin eroberte sich die Herzen der Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner im Nu.
rechts: Fürstin Gina begrüsste bei Kriegsende 1945 an der liechtensteinisch/österreichischen Grenze in Schaanwald französische Offiziere und verteilte Verpflegung an Soldaten.
 
Abbildung des historischen Herzogshuts, welcher vom Fürsten Karl von Lichtenstein in Auftrag gegeben worden war, nachdem dieser 1608 in den Fürstenstand erhoben worden und 1614 Herzog von Troppau geworden war. Über den Verbleib des Hutes ist nichts bekannt, erhalten ist lediglich eine Zeichnung auf Pergament, die zu einem Schmuckinventar gehört, das unter dem Fürsten Josef Wenzel zusammengestellt wurde.
Fürst Franz Josef II. erhielt zu seinem 70. Geburtstag, als Geschenk des Landes Liechtenstein, im Jahre 1976 ein Replik des historischen Herzogshut. Dieser ist im Landesmuseum ausgestellt.
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Wusstest Du
Bei den Landtagswahlen vom 2005 ereichten die FPB 12 Mandate, die VU 10 Mandate und die Freie Liste 3 Landtagsmandate.
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Die Regierung – ein geschichtlicher Rückblick
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Die Regierung – ein geschichtlicher Rückblick
Nach dem Kauf der beiden Landschaften durch das Fürstenhaus Liechtenstein wurde Vaduz Regierungssitz für das ganze Land.
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Aus der Geschichte unseres Parlamentes
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Aus der Geschichte unseres Parlamentes
Das Jahr 1862 gilt als Geburtsjahr des liechtensteinischen Parlaments. Bereits vorher gab es verschiedene Volksvertretungen, die als Vorläufer des Landtages von 1862 betrachtet werden können.