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Staatsanschauungen im Wandel der Jahrhunderte

Staatsanschauungen im Wandel der Jahrhunderte

Staatsanschauungen heute

Der Cruise missile ist ein unbemannter Marschflugkörper, der sich selbst ins Ziel steuert (Erster Einsatz 1980). Dieser Flugkörper kann auch mit einem atomaren Sprengkopf bestückt werden. Moderne Marschflugkörper vom Typ Tomahawk und CALCM bildeten sowohl im zweiten als auch dritten Golfkrieg die jeweils erste Welle der US-amerikanischen Angriffe, um mit geringem Risiko für die eigenen Truppen die irakische Flugabwehr zu neutralisieren. Der Systempreis für die dabei eingesetzten seegestützten BGM-109-Tomahawk-Marschflugkörper lag zwischen 600.000 und 1 Mio. US-Dollar.
Die Angst vor einem atomaren Gegenschlag lässt die Grossmächte vor einer nuklearen Auseinandersetzung zurückschrecken. Die enormen Rüstungsausgaben zwingen die Grossmächte zum Umdenken und leiten das Ende des Kalten Krieges ein.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Blockbildung hatte sich das staatspolitische Denken der Grossmächte völlig verändert. War es in der Geschichte der Menschheit bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts immer wieder um die Möglichkeiten der Gebiets- und Machterweiterung gegangen, so stellte sich im Zeitalter der Nuklearwaffen diese Frage nicht mehr. Man wollte keinen Krieg mehr führen, der nicht auch «sinnvoll» beendet werden konnte.

Keine direkten Konfrontationen der Grossmächte
Weil die Supermächte die Gefahr der Selbstvernichtung möglichst klein halten wollten, fand der Dritte Weltkrieg bisher nicht statt, auch wenn die äusseren Bedingungen für diesen letzten Schritt seit 1945 mehrmals vorhanden waren (Korea, Berlin, Kuba, Vietnam, Afghanistan, Iran/Irak, Golfkrieg). Statt dessen wurden die Konflikte der Weltmächte vorwiegend in der Dritten Welt ausgetragen («Stellvertreterkriege»).
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben über 200 kriegerische Auseinandersetzungen stattgefunden, ohne dass sich Ost und West direkt miteinander konfrontiert sahen. Der Kampf um die Vormacht der beiden Supermächte wurde in den letzten Jahren auf Kosten der armen Länder ausgetragen. Und obwohl gerade in diesen Ländern das Wirtschaftswachstum wenig entwickelt ist, steigen die Rüstungsausgaben von Jahr zu Jahr: Bereits Mitte der 80er Jahre haben die Entwicklungsländer 115 Milliarden US-Dollar jährlich für Rüstung ausgegeben. Andererseits leiden in diesen Ländern über 800 Millionen Menschen Hunger!
 
Der einzelne Staat ist im Zuge der Globalisierung keine einzelne Insel mehr. Nur gemeinsam lassen sich die grossen Problemstellungen lösen.
Staat und Individuum im Wandel der Zeiten Es ist offensichtlich: Die Staatsanschauungen haben sich im Laufe der Jahrhunderte entscheidend gewandelt. Die Politik im alten Griechenland war beispielsweise eine Angelegenheit von regionaler Bedeutung, ohne «internationale» Wirkung. So konnte Platon noch fragen, wie denn der Staat glücklich werden könne, und Epikur philosophierte über die günstigsten politischen Lebensbedingungen für das Individuum. Ein solches «klassisches» Staatsverständnis ist uns durch das Erlebnis zweier Weltkriege verloren gegangen. Die Politik hat – auch für Kleinstaaten – ihren «heimatverbundenen» Rahmen abgelegt und ist zur Weltpolitik geworden. Der einzelne Staat kann sich heute nicht mehr als Insel fühlen, losgelöst vom übrigen Weltgeschehen. Denn das Ende des Kalten Krieges darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass weltweit noch viele Probleme auf eine Lösung warten.

Neue Gräben teilen die Welt Täglich werden wir mit dem Elend und der Not von Flüchtlingen oder von Katastrophenopfern konfrontiert; Völkermord und Rassendiskriminierung zeigen, dass die Menschheit noch weit entfernt ist von den Grund und Menschenrechten, die sie in ihren Verfassungen festgeschrieben hat. Wirtschaftlich droht der Graben nicht mehr nur zwischen Nord und Süd, sondern auch zwischen Ost und West gefährlich aufzubrechen.
Diese und andere Probleme übersteigen die Kräfte eines einzelnen; sie können nur gemeinsam gelöst werden. Deshalb sollte jeder Staatsbürger zum Weltbürger werden, wenigstens was sein politisches Denken und Handeln betrifft.
 
Jedes zweite Kind in Entwicklungsländern ist durch Hunger geschwächt. Schlechte und ungenügende Nahrung schädigt das Immunsystem. Etwa eine Million Kinder sterben jährlich an Unterernährung.
Die Beziehungen zu den Entwicklungsländern stellen an sich Staatsaufgaben dar Wir können jedoch durch unser Verhalten, zum Beispiel beim Einkaufen, Einfluss nehmen. Geld und Spendenbereitschaft allein reichen nicht aus. Diese Anstrengungen müssen durch ein tägliches umwelt- und entwicklungspolitisch-bewusstes Verhalten gelebt werden.
Menschen in den Entwicklungsländern werden als Arbeitstiere missbraucht, damit wir möglichst günstig einkaufen können. Bodenschätze, landwirtschaftliche Produkte und Tropenholz hinterlassen Brachland, Wüsten und heimatlose Menschen.
 
Dr. Gerard Batliner (1928 - 2008), Regierungschef von 1962 bis 1970.
Zitat aus einer Ansprache von Dr. Gerard Batliner:
"Und wir Liechtensteiner können nicht tun, als ob uns die Welt nichts anginge. Wir alle haften solidarisch für die Not." (Foto: 1962 in Vaduz)
Unsere Verantwortung gegenüber Dritten Die Entwicklungsländer sind für die Industrieländer Rohstofflieferanten, Ferienparadiese, Absatzmärkte für Industrieprodukte, Niedriglohn-Produktionsstandorte, Experimentierfelder. Die Entwicklungsländer werden neuerdings auch als Müllhalde unserer Konsumwelt interessant.
Wenn diese Länder ihre Rohstoffe zu Preisen exportieren müssen, die oft nicht einmal die Produktionskosten decken, so dürfen wir uns ob der Verschuldung nicht wundern.